Zuviel für zu wenig? Wie ist Deutschland bei mobile Internet positioniert?

25.05.2015 | Social Trend

Deutschland ist mobil. Jeder ist online. Die Smartphones leben. Es geht nur noch digital.

Viele Aussagen dieser Art begegnen uns täglich. Doch wie ist die Situation in Deutschland wirklich? Wie gut sind wir im europäischen Vergleich positioniert?

Dieser Artikel analysiert das mobile Internet in Deutschland.

Basierend auf einer Studie des finnischen Beratungsunternehmens Rewheel berichtete erstmals die POLITICO in einem Artikel über die aktuellen mobilen Datentarife in Europa. Verglichen wird: Wieviel inklusives Datenvolumen bekomme ich bei einem Tarif von 35,00 EUR.
Während Finnland als großer Sieger mit 50 GB Volumen hervor ging, belegte Deutschland mit nur 1 GB einen der aller letzten Plätze. Frankreich, Großbritannien, Dänemark und Schweden belegen den zweiten Platz mit jeweils 20 GB. Der Median der EU liegt bei 5 GB.
“Germany was one of first countries to sell the 4G spectrum, so they have the network. But that spectrum is not used, it is just sitting there” – Zitat von Pal Zarandy (Rewheel)
Genau das beschreibt die Netzsituation in Deutschland gut. Bandbreiten sind eigentlich da, aber bezahlbar und verfügbar sind diese noch nicht.
Vodafone-Deutschland-Chef Jens Schulte-Bockum verspricht im Januar, dass 90% LTE-Abdeckung erreicht werden sollen. Die Telekom gibt an bereits über 90% Abdeckung in Highspeed LTE zu haben.
Wieso haben wir also trotz perfektem Netz und europäisch führender Technik, die geringsten Datenvolumen?
Die Werbung der Mobilfunkunternehmen sagt anderes. Mit Wirtschaftswunder 4.0 wirbt die Deutsche Telekom für die “Digitalisierung made in Germany”. Die Aussage anderer Mobilfunkbetreiber unterscheidet sich kaum. Jeder präsentiert sich als Förderer des digitalen Fortschritts, aber trotzdem liegt der Engpass beim Förderer.
Sicherlich haben in einigen skandinavischen Ländern die staatlichen Subventionen beim Ausbau der Netze in den 90er Jahren positiv beigetragen. Doch letztendlich ist das Netz der Deutschen Telekom objektiv betrachtet auch nicht ohne staatliche Unterstützung entstanden. Fairerweise muss man jedoch sagen, dass die Subventionen in anderen europäischen Ländern deutlich höher liegen und die Mobilfunkbetreiber Milliardeninvestitionen zum Netzausbau getätigt haben.

Ein “made in Germany” Problem haben wir zusätzlich im Jahr 2000 geschaffen: Die Versteigerungen von UMTS-Lizenzen. Hier ersteigerten die Mobilfunkanbieter damals Frequenzbänder im zweistelligen Milliardenbereich für das schnelle mobile Internet. Diese Kosten müssen natürlich eingespielt werden. Gerade zu Beginn waren die Kosten dadurch noch höher als in anderen Ländern und die Nutzung noch geringer.
Die Mobilfunkbetreiber sind nicht zufrieden mit ihren Erlösen. In diesem Artikel ist erklärt, wie die Mobilfunkbetreiber Werbung der Internetunternehmen blocken möchten um darauf aufbauend an Internet-Werbung mit zu verdienen. Auch dieses Video erläutert die Thematik Netzneutralität nochmal sehr gut.

Und das Fazit lautet…
Wir haben zwar in Deutschland mit die beste Infrastruktur für mobile Daten weltweit, trotzdem sind wir auch bei den Weltmeistern der Kosten für diese. Mobilfunkbetreiber kurieren ihre Wunden aus der Zeit der Versteigerung der UMTS-Lizenzen noch heute aus. Auch eine staatliche Unterstützungshilfe, zum Lindern der finanziellen Schmerzen, in Form von Subventionen wie in anderen europäischen Ländern gab es nicht.
Unsere Mobilfunkbetreiber werben zwar mit Fortschritt und titulieren sich als die großen Unterstützer der Digitalisierung. Der preisliche oder leistungsmäßige Support lässt allerdings noch auf sich warten.
Mit der “Werbe Bombe” planen die Mobilfunkbetreiber zusätzlich eine Einschränkung der Internetunternehmen. Wie sich das preislich oder leistungsmäßig für den Mobilfunkkunden auswirkt, ist noch unklar. Eine Erlösverschiebung von Internetanbieter zu Mobilfunkanbieter wird es auf jeden Fall geben.

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